Montag, 8. Februar 2016

Als der Sommer eine Farbe verlor -Rezension-

Klappentext

Am Ende eines sorglosen Sommertags findet Bénédicte ihre Mutter Aimée in deren Atelier – sie hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Kurz darauf zieht der Vater mit ihr und dem jüngeren Bruder Marcel in die westfälische Provinz. Dort will er die Leitung einer Klinik übernehmen. Fragen nach der Mutter beantwortet er ausweichend. Bénédicte und Marcel leben in ihrer Phantasiewelt, erkunden die vielen Zimmer der alten Villa und den verwunschenen Garten am Rande der Klinik. Und Bénédicte trifft Philo, den elternlosen Liliputaner, der dort aufgewachsen ist und diesen Ort, nach einer unglücklichen Liebe, niemals mehr verlassen will. Als die Ferien vorüber sind findet sie in der hochbegabten Susi Engel eine beste Freundin. Mit ihr ändert sich das Leben von Grund auf. Susi kann zuhören wie sonst niemand, weiß alles über Politik, die RAF und Sex und hat eine aufregende Theorie zu Aimées Fernbleiben. Und dann ist da auch noch Misha, der geheimnisvolle Junge mit dem Rennrad. Bénédicte spürt jetzt, dass sie ihr eigenes Glück suchen muss. Ein herzenswarmer Familienroman und eine tief berührende Coming-of-Age-Geschichte.

Zum Buch

Sommer 1976: die dreizehnjährige Bénédicte lebt mit ihren Eltern und dem jüngeren Bruder Marcel in Hamburg. Ihre Familie ist anders. Boheme, wie ihre Mutter Aimée es gerne bezeichnet, die als Künstlerin arbeitet und unter schweren Depressionen leidet. Als Bic sie eines Tages im Haus sucht und bei einem Selbstmordversuch findet, ist nichts mehr wie es einst war. Dazu kommt, dass ihr Vater das Angebot erhält die Leitung einer Klinik zu übernehmen und dies für die Kinder einen Umzug in die westfälische Provinz bedeutet. Dort müssen sie nicht nur mit der neuen Umgebung zurechtkommen, sondern auch mit der Frage nach dem Verbleib der Mutter. Der Vater hüllt sich in Schweigen und reagiert ausweichend. Aber wo steckt Aimée? Lebt sie überhaupt noch?

Erster Satz

Sommer 1976
Es war einer dieser besonderen Sommertage

Meine Meinung

Maria Regina Heinitz erzählt auf ruhige, unaufgeregte und einfühlsame Art, wie fragil und zart das Glück ist. Dies tut sie anhand der Erlebnisse der Ich-Erzählerin Bénédicte, Bic genannt, die diese Erfahrung auf schrecklich Weise machen muss. Sie ist es, die ihre Mutter nach einem Suizid-Versuch findet und sie ist es, die an den Folgen leidet. Denn sie bleibt alleine mit all ihren Empfindungen, Unsicherheiten und Sorgen, da ihr Vater sich nicht nur primär auf seine Arbeit konzentriert, sondern ihr auch noch verbietet über das zu reden, was sie doch so sehr belastet.
Für die heutige Zeit kaum vorstellbar, dass nach dem Suizidversuch der Mutter keine psychologische Betreuung erfolgte. Ein junges Mädchen, die den Verlust ihrer Mutter ganz allein verarbeiten muss, ein Vater der für seinen Beruf lebt, doch für die Familie so gut wie keine Zeit und auch kein Ohr hat, kühl, fast unnahbar so erscheint es einem.
Und immer wieder die Ungewissheit, wo ist Aimee? Wo ist die Mutter?
Die Handlung spielt in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Das Verhalten der Erwachsenen nicht einfach für ein junges Mädchen zu verstehen. Einem Kind zu erklären, warum die Mama, die schon immer an Depressionen litt, diesen so entscheidenden Schritt getan hatte, ist eine sehr berührende Stelle im Buch.
Besonders gefallen hat mir, dass das Buch gespickt ist mit großartigen Protagonisten. Allen voran natürlich Bic, die phantasievoll, empfindsam und mit einem großen Familiensinn beschrieben wird. Aber auch ihre Großmutter wusste mich zu überzeugen. Sie ist eine resolute Frau, die auch mal Klartext redet, wenn sie es für nötig befindet. Nicht zu vergessen auch Philo, dessen Lebensgeschichte mich sehr berührt hat. Gerade von Philo hätte ich gerne noch viel mehr gelesen, weil er einer der interessantesten Charaktere in dem Roman ist.
"Als der Sommer an Farbe verlor“ – wie passend der Titel! Man versteht ihn, wenn man den Hintergrund weiß.
Der Debütroman von Maria Regina Heinitz ist ein außergewöhnliches Buch, mit einem sehr speziellen Thema. Es berührt, aber regt auch zum Nachdenken an, denn:. „Jeder Tag, jede Minute deines Lebens ist ein Stück Glück, welches innerhalb von Sekunden brüchig werden kann“. Es ist keine leichte Lektüre und auch kein Buch für zwischendurch

Autor: Maria Regina Heinitz
Titel: Als der Sommer eine Farbe verlor
Originaltitel: /
 Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 10.03.2014
Verlag: Bloomsbury Berlin
496 Seiten
ISBN:  978-3-8270-7699-1
 
  

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